5 Was glauben Muslime?

Fasten im Ramadan (Teil 1)


Fasten ist im Islam sehr wichtig. Schon der Koran enthält Anweisungen zum Fasten, die in der späteren islamischen Überlieferung näher erläutert werden. Das ungefähr 30tägige Fasten im Monat Ramadan eine der fünf Säulen des Islam und damit für alle muslimischen Männer und Frauen jenseits der Pubertät eine absolut verbindliche Glaubenspflicht. Zwar spricht der Koran schon in den frühen Offenbarungen von der Pflicht, zu fasten, aber mit großer Sicherheit hat hier im Laufe der frühislamischen Geschichte eine Entwicklung stattgefunden.

 

Wie soll gefastet werden?


Muslime fasten im Gedenken daran, dass Gott den Koran im Monat Ramadan herab gesandt haben soll (Sure 2,185). Das Ramadan-Fasten dauert täglich von Sonnenaufgang bis zum vollendeten Sonnenuntergang. Essen, Trinken (nach Auffassung mancher Theologen auch das Schlucken des Speichels), Rauchen, Parfüm, Injektionen und Geschlechtsverkehr sind verboten, solange man „einen weißen von einem schwarzen Faden unterscheiden“ kann (2,187), aber man soll sich auch von übler Nachrede, Klatsch, Streit und unangemessenem Verhalten fernhalten. Schwangere, Stillende, Reisende, Kranke (2,184) und Kinder sind von der Fastenpflicht ausgenommen und müssen - mit Ausnahme der Kinder - die ihnen fehlenden Fastentage zu einem späteren Zeitpunkt nachholen, oder aber einen Ersatz als Buße leisten.

Der Koran selbst geht nicht sehr detailliert auf die einzelnen Bestimmungen zum Fasten ein. Erst in den ersten Jahrhunderten nach der Niederschrift des Korans hat die muslimische Rechtswissenschaft die knappen koranischen Bestimmungen über das Fasten näher erläutert und ausgelegt.

Fasten - eine Pflicht


Der Fastenpflicht wird nicht Genüge getan, wenn ein gläubiger Muslim aus frommen Motiven 30 Tage in irgendeiner beliebigen Form auf Nahrung verzichtet, sondern nur wenn alle Vorschriften penibel eingehalten werden, da sonst das Fasten insgesamt ungültig ist und vor Gott nicht gilt.

In der islamischen Welt verläuft das gesamte Leben im Fastenmonat sehr viel langsamer, sozusagen reduziert. Viele Geschäfte sind tagsüber, manche den ganzen Monat über geschlossen. Das gesellschaftliche Leben (insbesondere Besuche und Einladungen) verlagert sich auf den Abend nach Sonnenuntergang und die Nacht, wenn oft besonders gutes Essen für die Familie und Freunde zubereitet wird. Das Fasten wird abends traditionell mit einer ungeraden Anzahl von Datteln und etwas Wasser gebrochen.

Fasten - Besinnung auf Gott


Aber im Ramadan geht es nicht nur um Verzicht auf Nahrung. Das Fasten hat auch einen ‘geistlichen’ Aspekt. Von frommen Muslimen wird der gesamte Koran dann in 30 Abschnitten rezitiert. Im Ramadan werden besondere Gebete gesprochen, und mehr Menschen als sonst besuchen die Moscheen, die oft mit Lampen und Teppichen geschmückt werden. Eine Überlieferung berichtet, dass am ersten Tag des Ramadan die bösen Geister und der Teufel gefangengesetzt werden, die Tore der Hölle geschlossen und die Paradiespforten geöffnet werden. Der Ramadan ist damit auch ein Monat der Hoffnung auf geistliche Segnungen, auf Überwindung des Bösen und oft auch der Versöhnung zwischen Zerstrittenen.

Fasten - jedem möglich?


Trotz aller Frömmigkeit ist es sicher für viele Muslime sehr schwierig, der 30tägigen Fastenpflicht jedes Jahr aufs neue in vollem Umfang nachzukommen. Wer seiner Fastenpflicht nicht als Ganzes nachkommt, versucht meist, wenigstens die letzten zehn Tage zu fasten. Das Ramadanfasten ist ein gutes Werk, das der Mensch für Gott erbringt und das am Gerichtstag gegen seine schlechten Taten aufgewogen werden wird.

In der westlichen Welt wird das Fasten oft auch von Muslimen eingehalten, die in ihren Heimatländern nicht fasten, um so auch ein Stück kulturelle Identität zu bewahren. Im Westen wird das Fasten oft zusätzlich durch die Lebensumstände erschwert, wenn vom Arbeits- und Lebensrhythmus her keine Rücksicht auf das Fasten genommen wird oder in einigen Ländern eine sehr lange Tageshelle - und damit eine sehr lange Fastenzeit - besteht.

Das Fest des Fastenbrechens


Das Ramadan-Fasten endet mit dem Fest des Fastenbrechens. Das Feiern dieses Festes ist keine religiöse Pflicht; es gilt jedoch als verdienstvoll. Wenn am Ende des Ramadan von den religiösen Autoritäten eines Landes die Neumondsichel gesichtet wird, bezeichnet das das offizielle Ende des Ramadan. Der Tag des Fastenbrechens hat im Volksglauben auch einen Heilsaspekt, denn an diesem Tag vergibt Allah den Gläubigen und schenkt ihnen seinen Segen. Verwandtenbesuche, neue Kleider, Geschenke für die Kinder und besondere Speisen gehören zu diesem Fest. Viele Muslime besuchen auch die Gräber von Verwandten und bringen den Grabwächtern und den Armen, die in vielen Städten bei den Gräbern wohnen, Geschenke mit. In Kairo soll zur Linderung der Qualen der Toten Wasser über die Gräber gegossen, der Koran rezitiert und Fürbitte für die Toten geleistet werden. Wer nach dem dreitägigen Fest des Fastenbrechens nochmals fastet, tut damit ein besonders verdienstvolles Werk.

Autor: Dr. Christine Schirrmacher
Text übernommen von: Quelle